Überwachungskapitalismus: Das Geschäftsmodell der Tech-Giganten

Der Überwachungskapitalismus ist das Geschäftsmodell des Internet in seiner jetzigen Form. Es stellt den Auswuchs einer der schlimmsten Formen des Kapitalismus mit Massenüberwachung über Kommerzialisierung, Privatisierung, Individualismus und Massenkonsum dar. Das Internet dient somit auch als Beispiel eines beinahe unregulierten “Freien Markts” und dessen Konsequenzen in Reinform.

Entstehung des Internets

Entstanden ist das Internet und seine Plattformen in seiner ersten Form schon früh, nämlich in den 1960er. Wie so viele bahnbrechenden Erfindungen, die später Privatfirmen zugeschrieben werden sollten, entstand die Grundlage für das Internet, nämlich die Kommunikation zwischen mehreren Computern, mittels staatlichen Geldern zum Zwecke des Militärs. [1]

Nachdem in den 1980er Jahren der persönliche Computer (PC) erschwinglicher wurde, strömten vermehrt private Nutzer*innen in die bestehende Infrastruktur. Die Privatisierung der Infrastruktur wurde durch westliche Regierungen auch durch den Aufstieg des Neoliberalismus als prioritär erachtet. In der USA wurde die Privatisierung mit der Übernahme durch die National Science Foundation (NSF) erreicht, welche zuerst lokale und regionale Netzwerke an private Anbieter*innen verkaufte. Schlussendlich wurde 1995 die Kontrolle komplett an das privat finanziertem Ökosystem durch Internet Service Provider (ISPs) wie AT&T übergeben. [2]

Diese vermehrte Privatisierung führte auch zur Kommerzialisierung dieser Infrastruktur, denn das Internet, war die Hoffnung der Investor*innen, sollte Firmen durch die Digitalisierung und den Online-Verkauf massive Profite bescheren. Es eröffnete sich eine neue, anscheinend attraktive Anlagemöglichkeit um das eigene investiertes Kapital zu vermehren.

Dies Aussicht auf massive Profite führte zu immer weiter steigenden Evaluationen der Firmen auf dem Aktienmarkt, welches wiederum mehr Investitionen anregte. Doch die investierten Firmen mussten sich erst geringfügig mit der Profitabilität ihres Geschäftsmodells befassen. Das alleinige Aufzeigen von Wachstum und vielen Nutzer*innen genügte, denn nichtsdestotrotz floss dass Kapital unerlässlich. Als bekannteste Beispiel fungiert pets.com, welches den Verkauf von Produkten im Haustiersektor in die Online-Sphäre transferieren wollte. Mit einer Firmen-Evaluation von 182 Millionen US-Dollar waren sie dabei vermeintlich auch erfolgreich. Doch jede*r einzelne Nutzer*in kostete die Firma 400 US-Dollar und der steigende Umsatz konnte das noch schneller steigende Marketingbudget nie überholen. Die hohe Anzahl Nutzer*innen und das Wachstum und die somit versprochenen massiven Profite in der Zukunft waren wichtiger als die realen Gewinne. [3]

Doch in den 2000er-Jahren war plötzlich Schluss, die gigantische Investitionen (auch Dot-Com Blase genannt) am Aktienmarkt stoppten und viele Internet-Firmen, die kein wirklichen Gewinn vorweisen konnten, gingen bankrott da das Kapital für die Aufrechterhaltung der eigenen immer steigenden Kosten fehlte. Die anderen Firmen, die durch vorhandene Gewinne überlebten, sahen sich gezwungen ein neues Geschäftsmodell zu erfinden um profitabel und unabhängiger von spekulativem Investitionen zu werden anderweitig wären ihnen auf kurze oder lange Frist das Geld ausgegangen. [4]

“Datenmüll” wird zu Gold

Einer der Erfinder dieses neu aufkommenden Geschäftsmodells war Google. Sie verwendeten die schon vor dem Platzen der Dot-Com Blase gesammelten Daten über das Verhalten von Nutzer*innen (Metadaten). Dieses wurde vorher mehrheitlich als unbrauchbaren “Datenmüll” abgewertet.

Um Profit zu generieren wurde dieser “Müll” jetzt aber zu Gold gemacht. Dies indem die Daten mit analytischen Modell verknüpft wurden die es erlaubten die Wahrscheinlichkeit einer Interaktion mit Werbung zu messen. Diese Daten fungierten dann als Grundlage der gezielten Werbung, die es erlaubt gewisse Kategorien an Personen anzusprechen um somit mehr Profit zu generieren da ein Kauf wahrscheinlicher wurde. Dass gleiche wurde durch die Berechnung der Interaktion ermöglicht, da vermehrt die Werbung angezeigt werden konnte mit welcher auch interagiert wird und damit konnte wiederum der Profit der Firmen erhöht werden welche die Werbung schalteten. [5]

Dies ermöglichte dann diese Werbung für immer mehr Geld zu verkaufen, dies ist auch an den enormen Profite die Google damit generierte ersichtlich. Nämlich von 2001 70 Millionen Umsatz zu 2004 3.1 Milliarden Umsatz (4385% Zuwachs). Dieses enorme Wachstum führte dazu, dass dieses Geschäftsmodell zum neuen Grundpfeiler des Internets wurde. [6]

Unendliches Wachstum

Das funktionieren des Internets, basierte also nun durch den Wachstumszwang darauf immer mehr Werbung zu schalten, mehr zu konsumieren und mehr Daten von immer noch mehr Nutzer*innen zu sammeln.

Dieser Wachstumszwang ist auch gut daran ersichtlich, dass Facebook seit 2013 in Internet-Infrastruktur im sogenannten global Süden investiert. Dies weil in allen anderen Ländern entweder schon alle Menschen Facebook besitzen oder nie installieren werden, mit 3 Milliarden Nutzer*innen besitzt nämlich schon mehr als jede dritte Personen auf dieser Welt einen Facebook Account der mindestens ein mal pro Monat verwendet wird. Um also zukünftiges Wachstum zu sicheren muss die Infrastruktur auch auf den restlichen Länder der Welt ausgebaut werden. [7, 8]

Aber das Internet hätte sich nicht so entwickeln müssen, eine Internet ausgerichtet auf Bedürfnisse statt Profit ist nicht nur möglich, sondern erreichbar. Dies wird mit den schon existierenden alternativen Modellen ersichtlich.

Ein sozialistisches Internet

Denn ein Teil der Geschichte habe Ich wissentlich ausgelassen. Nicht nur die Grundlagen des Internets wurden ohne private Firmen erstellt, sondern auch heute noch werden die gross Teile von Menschen in ihrer Freizeit ohne Profitinteresse, unentgeltlich erstellt. Darunter das Linux Betriebssystem, welches die grundlegende Infrastruktur für fast alle Rechenzentren auf der Welt darstellt.

Dieser Teil ist Free and Open Source (FOSS), er beschreibt Applikationen die öffentlich und zugänglich für alle sind (Open) und für jegliche Zwecke angepasst oder verbreitet werden dürfen (Free). Sie stellen somit einen Basis-Demokratischen Ansatz an Besitz und Kontrolle über Applikationen dar, denn alle Personen können die Applikation einsehen, verbessern oder selber verbreiten.

Dabei bestehen grosse Teile jeder modernen Software einer Privatfirmen aus dutzenden wenn sogar oft nicht hunderten von Applikationen welche FOSS sind. Sie dienen als zentrale Stütze um diese privaten Produkte überhaupt erst zu ermöglichen, denn ohne sie wären diese viel zu teuer und könnten nicht profitabel erstellt werden. Wie die Care-Arbeit eine zentrale Stütze des Kapitalismus darstellt, so ist die FOSS-Arbeit ein zentrale Stütze des Überwachungskapitalismus, also dem Geschäftsmodell der Tech-Giganten. Sie wird aber durch die Unentgeltlichkeit nicht Wert geschätzt. Denn in einem kapitalistischen System hat alles ohne monetäre Kosten auch keinen moralischen Wert.

Oftmals überleben FOSS-Projekte, dabei nur durch private Spenden, das Engagement vieler Freiwilligen und teils staatlicher Förderung. Doch genau diese Freiwilligen-Arbeit kann uns als Grundlage eines besseren Internets dienen welches nicht von wenigen gigantischen Tech-Konzernen und deren Chefs kontrolliert wird, sondern Basis-Demokratisch von der Gesellschaft.

Anstatt Applikationen zu verwenden die auf dem Profitmodell der Datensammlung beruhen, können Applikationen im Gemeininteresse erstellt werden die nicht der Profitlogik unterliegen. Im Vordergrund liegt also nicht die immer weitere Sammlung von Daten und denn immer ansteigenden Konsum, dieser wird im Gemeininteresse sogar auf das mindeste minimiert.

Obwohl diese Diskussionen in den letzten Jahrzehnten vermehrt aufgekommen sind, wird das Internet oft noch immer als Problem von Monopolen und weniger als Problem eines privatisierten Grundrechtes gesehen. Dies obwohl das Internets, als Mittel des sozialen Austausches, in der Arbeit und auch in der Freizeit vermehrt an Wichtigkeit gewinnt. Denn die oft genannten Problem des Internets von undurchsichtigen Algorithmen, grenzenlosem Konsum und Suchtverhalten entspringt direkt aus der Profitlogik.

Dies bedeutet aber auch zwingend, dass für ein besseres Internet nicht die Regulierung der Big-Tech Konzerne Vorrang haben muss, dies würde nur dazu führen dass die geminderten Profite durch reduzierte Datensammlung anderweitig ausgeglichen werden müssten. Stattdessen muss der Profitlogik ein Model entgegengesetzt werden welches die Bedürfnisse der Bevölkerung in den Vordergrund rückt. Dafür sollte vor allem die Schaffung von demokratischen Alternativen mittels staatlicher Gelder, die genau dem Mantra von FOSS entsprechen in den Vordergrund gestellt werden und somit auch die langfristigen Abschaffung eines privatisierten Internets.

Wer für diesen Wandel bezahlen soll ist auch klar, nämlich die Personen die massiv über Jahrzehnte vom Aufschwung des immer weiter anwachsenden Konsums und der Ausbeutung der menschlichen Daten profitiert haben. Auf zur Enteignung der Big-Tech Konzerne, denn das Internet sollte nicht den Bankkonten einer weniger, sondern der Information, Bildung und Unterhaltung aller dienen!


[1] ARPANET. https://www.darpa.mil/news/features/arpanet (Letzter Zugriff: 17.4.2026).

[2] Giovanni, Navarria: How the Internet was born: from the ARPANET to the Internet. https://theconversation.com/how-the-internet-was-born-from-the-arpanet-to-the-internet-68072 (Letzer Zugriff: 17.4.2026)

[3] Keith, Donovan: Why did Pets.com fail?. https://startupstumbles.com/why-did-pets-com-fail/ (Letzter Zugriff: 20.4.2026)

[4] Gabriel, Knupfer: Vor 20 Jahren platzte die Dotcom-Blase. Was war passiert?. https://www.handelszeitung.ch/panorama/vor-20-jahren-platzte-die-dotcom-blase-was-war-passiert (Letzer Zugriff: 17.4.2026)

[5] John, Naughton: ‚The goal is to automate us‘: welcome to the age of surveillance capitalism. https://www.theguardian.com/technology/2019/jan/20/shoshana-zuboff-age-of-surveillance-capitalism-google-facebook (Letzer Zugriff: 17.4.2026)

[6] J. G., Navarro: Advertising revenue of Google from 2001 to 2024. https://www.statista.com/statistics/266249/advertising-revenue-of-google (Letzer Zugriff: 17.4.2026)

[7] Leo, Su: Facebook Will Bring Expanded Internet Access to Africa in $1 Billion Project. https://www.fool.com/investing/2020/05/22/facebook-expanded-internet-access-africa-1-billion.aspx (Letzer Zugriff: 17.4.2026)

[8] Naveen, Kumar: Facebook Users Statistics (2026) – Global Data & Growth Trends. https://www.demandsage.com/facebook-statistics/ (Letzer Zugriff: 17.4.2026)

Text von Matteo Gmür
Grafik von Jared Rodriguez / Truthout von flickr

Leave a Comment