Die versteckte Klimabilanz der Schweiz
Eine Durchschnittsperson in der Schweiz produziert und importiert ca. 13 Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr. Davon sind nur 4,8 Tonnen direkt in der Schweiz entstanden. Neben diesen sogenannten Territorialemissionen ist die Schweizer Wirtschaft also durch importierte Emissionen für mehr als doppelt so viele zusätzliche CO₂-Emissionen verantwortlich. Zudem produziert der Finanzplatz durch Investitionen weitere Unmengen von Treibhausgasen im Ausland. In der Summe zeigt dies, dass die Schweiz riesige Verantwortung für die Klimakrise trägt.
Der Schweizer Finanzplatz ist bei der Verwaltung ausländischer Vermögen global führend. Die umweltschädlichen Investitionen, die von in der Schweiz verwalteten Vermögen hervorgehen, produzieren etwa 14- bis 18-mal so viele Treibhausgasemissionen, wie die Schweiz pro Jahr mit den Territorialemissionen ausstösst. Somit trägt die Schweiz nicht nur für ihre eigenen Emissionen die Verantwortung, sondern beeinflusst auch die klimaschädlichen Investitionen am Finanzplatz massgeblich. Ausserdem investieren Schweizer Banken und Unternehmen riesige Geldmengen in fossile Energien. So zum Beispiel die UBS, die 925 Millionen USD in das Öl-Unternehmen Petrobras und in brasilianische Agrarkonzerne investiert, die in illegale Rodungen im Amazonas verwickelt sind.
Wer von fossilen Profiten lebt, wird nie freiwillig verzichten
Die Klimapolitik der Schweiz setzt auf freiwillige Massnahmen und Selbstregulierung in der Finanzbranche. Der Bundesrat und das Parlament erhoffen sich, dass Grosskonzerne und Banken freiwillig weniger klimaschädlich agieren. Freiwilligkeit schafft jedoch keine Anreize sich an den Netto-Null-Plan bis 2050 zu halten – Verbote werden erst recht nicht erlassen.
Die Schweiz ist vor allem aufgrund des Finanzplatzes und des Steuerwettbewerbs sehr attraktiv für Superreiche. Dadurch ist die Konzentration von Verursacher*innen der Klimakrise in der Schweiz sehr gross. Sie verfügen über extrem hohe Vermögen, welche sie klimaschädlich investieren, um noch mehr Vermögen anzuhäufen und später zu vererben. Genau hier setzt die Initiative für eine Zukunft an: Es soll eine Erbschaftssteuer geben, die sozial gerechte Massnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise finanziert und so die Verursacher*innen der Krise dafür bezahlen lässt.
Text von Tabea Gnädinger
Illustration von Larissa Küng
