Die Maske der Familienunternehmen

Die Verniedlichung von Grosskonzernen

Das Hauptargument der Gegner*innen der Initiative ist die ‘Zerstörung’ von sogenannten Familienunternehmen. Dieses Wording dient jedoch lediglich der Verniedlichung von Grosskonzernen. Daher ist es nötig diese Rhetorik zu demaskieren und das wahre Gesicht der Reichsten zu zeigen.

Der Begriff Familienunternehmen wird so breit verwendet, dass jede Firma, die unter Führung oder Einfluss einer Familie steht, als solches bezeichnet wird. Eine derart lasche Definition trifft auf fast 90 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz zu.

Die bewusste rhetorische Verwendung von ‘Familienunternehmen’ dient dem gleichen Zweck wie die Inszenierung von vermeintlich sympathischen Superreichen. Sie sollen den Grosskonzernen ein menschliches Gesicht geben und die armen Betroffenen spielen. So wird deren Schuld an der Klimakrise verschwiegen und verharmlost. Darum redet die Gegenkampagne auch gerne über den Unternehmer und ehemaligen SVP-Nationalrat Peter Spuhler, aber nicht über Gianluigi Aponte.

Letzterer ist laut Forbes auf Platz 48 der reichsten Menschen der Welt und profitiert mit dem weltweit grössten Schifffahrtsunternehmen MSC massiv von der zerstörerischen kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Eine Tochtergesellschaft bietet zudem Kreuzfahrten zu ihrer eigenen Privatinseln an und ein weiteres ist im Transport von Gütern mit Flugzeugen tätig. Damit nicht genug, in den letzten zwei Jahren wurden 27 alte Tanker an illegale Deponien in Indien verkauft – das Gebot der gerechten Entsorgung scheint nur für die arbeitende Bevölkerung zu gelten. Die Tanker zerstören nicht nur die Natur in den küstennahen Gebieten, sondern gefährden auch die Gesundheit der lokalen Bevölkerung.

Wenn Reiche drohen, das Land zu verlassen

Die durch die Gegenkampagne inszenierte sympathische Maske der Grosskonzerne beinhaltet noch eine weitere Komponente: Erpressung. Sie zeigt sich durch Wegzugdrohungen der Superreichen. Dieses Framing wird von den Medien eins zu eins übernommen – so kursierten schon über einem Jahr vor dem Abstimmungstermin Artikel darüber wie zum Beispiel Peter Spuhler bei Initiativannahme das Land verlassen würde. Die Reichsten machen aus Panik um ihr Vermögen keinen Hehl daraus, dass ihnen das Wohl der 99 Prozent egal ist. Wegzugsdrohungen sind undemokratisch, da sie das Prinzip der politischen Gleichheit unterlaufen und wirtschaftliche Macht in politische Erpressung übersetzen. Wenn einzelne Menschen der restlichen Bevölkerung ihre Meinung aufzwingen können und sie daran hindern, sich für das Wohl aller zu entscheiden, ist dann jede Stimme noch gleich viel wert?

Text von Matteo Gmür
Illustration von Larissa Küng

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